Ditthi

Aus Glossar des Buddhismus
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Ditthi *1[Bearbeiten]

Wörtl. "Sehen", mag die Bedeutung haben von "Ansicht, Anschauung, Einsicht, Erkenntnis", wird aber, besonders wenn alleinstehend, meist im Sinne von verkehrter Ansicht, falscher Erkenntnis usw. gebraucht, seltener im Sinne von rechter Erkenntnis (z. B. ditthi-ppatta, dittbi-visuddbi, dittbi-sampanna, von Erkenntnis erfüllt).

Verkehrte Ansichten werden als äußerst verwerflich bezeichnet, da sie die Grundlage bilden zu verkehrter Gesinnung und verkehrtem Wandel und bisweilen fähig sind, den Menschen in die tiefsten Abgründe zu führen.

Wie es heißt:

"Nichts kenne ich, ihr Mönche, wodurch so sehr die noch unaufgestiegenen unheilsamen Dinge zum Aufsteigen kommen und die bereits aufgestiegenen unheilsamen Dinge anwachsen, als wie die verkehrten Ansichten. . . Nichts kenne ich, wodurch die noch unaufgestiegenen heilsamen Dinge so sehr am Aufsteigen gehindert werden und die bereits aufgestiegenen heilsamen Dinge schwinden, als wie die verkehrten Ansichten ... Nichts kenne ich, wodurch die Menschen bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, so sehr zu einem niederen Reiche gelangen, einer Leidensfährte, in verstoßene Welt, zur Hölle gelangen, als wie die verkehrten Ansichten."

"Was auch immer der von verkehrten Ansichten erfüllte Mensch, seinen Ansichten folgend, in Werken, Worten und Gedanken verübt oder beginnt, und was auch immer er an Willen, an Sehnsucht, an Verlangen und an Strebungen besitzt, so führt dies alles zu Unerwünschtem, Unliebsamem, Unerfreulichem, zu Unheil und Leiden."

Nach dem Abhidhamma sind verkehrte und verderbliche Ansichten, wenn sie aufsteigen, immer mit begehrlichem Bewußtsein verbunden. Unzählige spekulative Ansichten und Theorien, die das menschliche und besonders das indische Denken von jeher beeinflußt haben und noch immer beeinflussen, werden in den Suttentexten angeführt. Unter diesen aber ist die zu allen Zeiten und allerorten die Menschen überall am meisten irreführende und betörende Ansicht der Persönlichkeitsglaube, die Ich-Illusion.

"Persönlichkeitsglaube" (sakkaya-ditthi) oder Ich-Ansicht (atta-ditthi) ist von zweierlei Art: Ewigkeitsglaube (sassata-ditthi) oder Vernichtungsglaube (uccheda-ditthi).

Der ‘Ewigkeitsglaube' ist die Ansicht, dass es eine Ichheit oder Persönlichkeit gebe, die ewig sei und unabhängig von den funf das ganze Dasein ausmachenden sog. Daseinsgruppen > khandha, also auch nach dem Tode noch weiter fortbestehe.

Der ‘Vernichtungsglaube' ist die Ansicht, dass es eine Ichheit oder Persönlichkeit gebe, die von den funf Daseinsgruppen abhängig sei und daher auch bei der Auflösung der Gruppen beim Tode der Vernichtung anheimfalle. (Über die in den Sutten häufig angefuhrten 20 Arten des Persönlichkeitsglaubens s. Pug. 143, Anm.)

Der Buddha hingegen lehrt, dass es weder eine Persönlichkeit gibt, die nach dem Tode fortbesteht, noch auch eine Persönlichkeit, die beim Tode vernichtet wird, sondern dass ‘Persönlichkeit', ‘Ich', ‘Mensch' usw. lediglich konventionelle Bezeichnungen (vohara-vacana) sind; und dass eben bloß dieser Prozeß der vom Augenblick zu Augenblick sich selbst verzehrenden, unaufhörlich entstehenden und gleich darauf wieder fur immer verschwindenden körperlichen und geistigen Daseinserscheinungen anzutreffen ist. Diese Leerheit und Unpersönlichkeit des Daseins ist die Kernlehre des ganzen Buddhismus, die einzige spezifisch buddhistische Lehre, mit der das ganze buddhistische Lehrgebäude steht und fällt. Näheres > anatta, ferner > khandha, > paticcasamuppada.

Die den letzten Punkt der zehnfachen unheilsamen Wirkensfährte > kamma-patha bildenden und als ‘mit festbestimmtem Ausgang verbunden' bezeichneten ‘verkehrten Ansichten' (niyata-micchaditthi) sind:

  1. Die fatalistische Ansicht von der Ursachlosigkeit des Daseins (ahetuka-ditthi),
  2. die Ansicht von der Wirkungslosigkeit der Taten (akiriya-ditthi),
  3. Nihilismus (natthika-ditthi).

(1) wurde gelehrt von Makkhali-Gosala, einem Zeitgenossen des Buddha, der jede Ursache fur die Verderbtheit oder Reinheit der Wesen ableugnet und behauptet, dass alles genau vom Schicksal vorherbestimmt sei. (2) wurde gelehrt von Pūrana-Kassapa, der jedwede karmische Wirkung fur edle wie unedle Taten ableugnet: "Wer tötet, stiehlt, raubt usw., dem widerfährt nichts Böses. Fur Edelmut, Selbstbeherrschung und Wahrheitsliebe usw. steht kein Lohn zu erwarten". (3) wurde gelehrt von Ajita-kesa-kambali, der behauptet, jeder Glaube an gute Taten und ihre Wirkung sei ein Wahn. Kein Weiterleben gebe es nach dem Tode, sondern der Mensch löse sich beim Tode in die Elemente auf. Weiteres uber diese 3 Ansichten siehe Ny. A. I. 22, 2. Anm.

Häufig erwähnt werden die 10 Antinomien (antagahika-miccha-ditthi): ‘Ewig ist die Welt' oder ‘Zeitlich ist die Welt', ‘Endlich ist die Welt' oder ‘Unendlich ist die Welt' . . . ‘Leib und Seele sind Eines' oder ‘Leib und Seele sind etwas Verschiedenes'.

Über die Ansichten der zur Zeit des Buddha lebenden 6 Irrlehrer handelt ausfuhrlich D.2. Weitere Ansichten werden erwähnt in D.15, D.23, D.24, D.28; M.11, M.12, M.25, M.60, M.63, M.72, M.76, M.101, M.102, M.110; A.II.126-127; A.X.93; S.24. usw.

Alle nur denkbaren Ansichten über die Natur des Menschen, der Welt usw. sind in D.1 in 62 Ansichten zusammengefaßt.

s.a. > Anusaya




Zur Erleichterung: hier das Quellenverzeichnis und die Abkürzungen


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